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Schönheit+ Was ist beim weiblichen Intimbereich eigentlich normal und wann kann eine Schamlippenverkleinerung vielleicht sinnvoll sein?

Ein Thema zwischen Anatomie, Alltag und verzerrten Bildern

Die weibliche Intimchirurgie gehört zu den am stärksten wachsenden Bereichen der ästhetischen Chirurgie – und wird zugleich selten offen besprochen. Allein zwischen 2020 und 2024 stieg die Zahl der weltweit dokumentierten Schamlippenkorrekturen um rund 48 Prozent auf über 210.000 Eingriffe pro Jahr (ISAPS, 2024); auch in Deutschland nimmt die Nachfrage zu, besonders bei jüngeren Frauen (DGÄPC).

Körpermitte einer jungen, unbekleideten Frau mit zartrosa Blüte vor ihrem Intimbereich

Viele Frauen tragen dabei jahrelang eine Unsicherheit mit sich herum, über die sie mit niemandem reden: nicht mit Freundinnen, oft nicht einmal mit der Frauenärztin. Und häufig steht am Anfang eine einzige, sehr menschliche Frage: Ist das bei mir eigentlich normal?

Manchmal ist es der Sommer, der das Thema nach oben spült. Wenn Radfahren, Joggen oder enge Sportkleidung plötzlich unangenehm werden, richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine Körperregion, die man sonst kaum beachtet. In anderen Fällen sind es Veränderungen nach einer Schwangerschaft, nach starker Gewichtsabnahme oder in den Wechseljahren.

Dieser Beitrag ordnet das Thema sachlich ein: Er erklärt, welche Aufgaben die Schamlippen und der Venushügel überhaupt haben, warum sie von Frau zu Frau so unterschiedlich aussehen, wann aus einer völlig normalen anatomischen Variante tatsächlich Beschwerden entstehen und welche Eingriffe die Intimchirurgie heute umfasst. Ebenso geht es um realistische Erwartungen, um den Heilungsverlauf und um die Risiken – auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Literatur.

 

Inhalt

01 | Anatomie: Was Schamlippen und Venushügel leisten

Um zu verstehen, wann ein Eingriff sinnvoll sein kann, lohnt ein Blick auf die Anatomie – denn die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane (die Vulva) erfüllen konkrete Aufgaben.

Die äußeren Schamlippen (Labia majora) sind mit Unterhautfettgewebe unterpolstert und behaart. Sie umschließen und schützen die empfindlicheren inneren Strukturen und tragen dazu bei, dass die Schleimhäute feucht bleiben. Mit dem Alter, nach starker Gewichtsabnahme oder hormonellen Umstellungen kann ihr Volumen abnehmen.

Die inneren Schamlippen (Labia minora) sind zarte, unbehaarte Hautfalten ohne Fettgewebe. Sie schützen den Scheiden- und Harnröhreneingang, halten den Bereich feucht und sind sehr gut durchblutet und von Nerven versorgt. Deshalb spielen sie eine Rolle beim sexuellen Empfinden: Bei Erregung füllen sie sich stärker mit Blut. Ihre Größe und Form sind von Frau zu Frau sehr verschieden – und das ist anatomisch völlig unbedenklich.

Der Venushügel (Schamhügel, Mons pubis) ist die weiche, von Natur aus mit Fettgewebe unterpolsterte Wölbung oberhalb der Schamlippen. Wie stark er ausgeprägt ist, hängt von Veranlagung, Körpergewicht und Hormonen ab. Weil es sich um ein eigenständiges Fettdepot handelt, lässt es sich durch Sport oder Diät oft nur begrenzt beeinflussen.

Anatomische Illustration der weiblichen Vulva mit Beschriftung der äußeren und inneren Schamlippen, des Venushügels und der Klitoris

02 | Warum Vulven so unterschiedlich aussehen

Es gibt keine „richtige“ Form und keine Norm, an der man sich messen müsste. Ob die inneren Schamlippen groß oder lang sind, ob sie über die äußeren hinausragen, ob eine Seite größer ist als die andere – all das ist Teil einer großen, gesunden Bandbreite. Übersichtsarbeiten zu anatomischen Normwerten zeigen eine erhebliche Spannweite; eine per se „zu große“ Schamlippe im krankhaften Sinn existiert nicht.

Verantwortlich für diese Vielfalt sind vor allem genetische Veranlagung und hormonelle Einflüsse. Hinzu kommen im Lauf des Lebens Schwangerschaften, Geburten, Gewichtsveränderungen und der natürliche Alterungsprozess. Größe allein hat also keinerlei Krankheitswert – sie sagt nichts darüber aus, ob eine Frau gesund ist oder ob überhaupt Beschwerden bestehen.

Wie wenig eine Zahl aussagt, zeigt eine vielzitierte Untersuchung im Fachjournal Psychological Medicine (Veale et al., 2014): Verglichen wurden 55 Frauen, die eine Schamlippenverkleinerung wünschten, mit 70 Frauen ohne diesen Wunsch. Die Schamlippen aller Teilnehmerinnen lagen anatomisch im Normbereich. Der Wunsch nach einer Veränderung hängt also nicht von einem objektiven Messwert ab, sondern vom individuellen Empfinden – und manchmal von äußeren Einflüssen.

03 | „Ist das normal?“ – wie Medien und Pornografie das Bild verzerren

Woher kommt die Unsicherheit, wenn die Anatomie doch objektiv unauffällig ist? Ein wesentlicher Faktor sind die Bilder, mit denen Frauen ihre eigene Anatomie vergleichen – und diese Bilder sind selten repräsentativ.

In Werbung, sozialen Medien und Pornografie dominiert ein sehr einheitliches, oft retuschiertes oder chirurgisch bereits verändertes Erscheinungsbild: kaum sichtbare innere Schamlippen, glatte Konturen. Reale anatomische Vielfalt kommt darin praktisch nicht vor. Wer sich unbewusst daran orientiert, hält die eigene, völlig normale Anatomie schnell für „anders“.

Die Forschung stützt diesen Zusammenhang. Ein Team der Flinders University (Sharp, Tiggemann und Mattiske, 2016) verglich Frauen mit und ohne Wunsch nach einer Labioplastik: Wer den Eingriff anstrebte, war zuvor deutlich häufiger Online-Bildern von Genitalien und Labioplastik-Werbung ausgesetzt. Andere Untersuchungen fanden, dass ein höherer Pornografie-Konsum mit einem schlechteren genitalen Selbstbild und geringerem Selbstwert einhergeht.

Auch die Fachgesellschaften mahnen deshalb zur Zurückhaltung. Die ACOG (Committee Opinion Nr. 795, 2020) betont, dass der erste Schritt Aufklärung und die Beruhigung über die normale anatomische Vielfalt sein sollte – und dass es an belastbaren Daten fehlt, die einen rein kosmetischen Eingriff rechtfertigen würden. Ein seriöses Gespräch beginnt also nicht mit einer direkten Empfehlung zur Operation, sondern mit Einordnung.

04 | Wann aus einer Variante Beschwerden werden

Von einer normalen Variante zu einem Behandlungsgrund wird es erst dann, wenn im Alltag konkret etwas stört. Häufig sind es vergrößerte innere Schamlippen, die über die äußeren hinausragen und dadurch weniger geschützt liegen und leichter scheuern.

Typische Beschwerden sind:

  • Druck- und Reibungsgefühl sowie Schmerzen beim Fahrradfahren, Joggen, Reiten, Yoga oder langem Sitzen
  • Scheuern in enger Kleidung, Sport- oder Bademode – ein häufiges Thema bei Schamlippen beim Sport
  • wiederkehrende Hautreizungen und Entzündungen, weil die zarte Schleimhaut ungeschützt reibt
  • kleine Einrisse an der Kante der Schamlippen
  • Einklemmen oder Verdrehen der Labien beim Sport oder beim An- und Ausziehen
  • Ziehen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • eine sichtbare Kontur in enger Kleidung oder Bademode, die als unangenehm empfunden wird
  • daraus folgende Unsicherheit im Alltag – etwa im Schwimmbad, in der Sauna oder in intimen Situationen

Nahaufnahme von Frau in Hotpants auf Damensattel, auf dem Gepäckträger ein Wildblumenstrauß

Dass solche Beschwerden real und keineswegs selten sind, zeigt eine Befragung im Fachjournal Plastic and Reconstructive Surgery (Sorice et al., 2017): Am häufigsten nannten die Patientinnen Ziehen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sichtbare Schamlippen im Badeanzug sowie Unbehagen in enger Hose und beim Tragen von Sport- oder Yogahosen. 94 Prozent fühlten sich dadurch im Alltag verunsichert. Meist tritt eine Kombination aus funktionellen und persönlichen Gründen auf – selten nur das eine oder das andere.

Dass viele Frauen das Thema ausgerechnet im Sommer angehen, hat einen einfachen Grund: Bewegung, dünne Stoffe und Bademode machen bestehende Beschwerden sichtbar, die im Winter unter weiter Kleidung kaum auffallen.

05 | Die Eingriffe der weiblichen Intimchirurgie im Überblick

„Intimchirurgie“ ist ein Sammelbegriff für mehrere, sehr unterschiedliche Eingriffe. Sie verfolgen jeweils ein eigenes Ziel und lassen sich in vielen Fällen kombinieren. Welcher Eingriff zu welchem Anliegen passt, zeigt der folgende Überblick:

Anliegen / Beschwerde Mögliche Behandlung
Reibung, Scheuern, Schmerzen beim Sport (große/lange innere Schamlippen) Schamlippenverkleinerung (Labienreduktion)
Ausgeprägter Venushügel / sichtbare Wölbung Fettabsaugung (Liposuktion)
Volumenverlust der äußeren Schamlippen Aufbau mit Eigenfett (Lipofilling) oder Hyaluron
Deutliche Asymmetrie Angleichung (ggf. mit Verkleinerung kombiniert)

Schamlippenverkleinerung (Labienreduktion)

Der mit Abstand häufigste Eingriff. Dabei wird überschüssiges Gewebe der inneren Schamlippen behutsam verkleinert, sodass sie nicht mehr über die äußeren hinausragen. Im Vordergrund stehen häufig funktionelle Beschwerden wie Reibung und Scheuern, oft verbunden mit dem Wunsch nach einer harmonischeren Form. Typische Patientinnen sind Frauen mit anlagebedingt großen oder langen inneren Schamlippen sowie Frauen, bei denen sich das Gewebe nach Schwangerschaften oder mit dem Alter verändert hat.

Schamlippenangleichung (Korrektur von Asymmetrien)

Kaum eine Vulva ist exakt symmetrisch – eine gewisse Seitenungleichheit ist die Regel und für sich genommen kein Behandlungsgrund. Sinnvoll wird eine Angleichung erst, wenn der Unterschied deutlich ausgeprägt ist und im Alltag oder im Empfinden stört, etwa durch einseitige Reibung. Häufig wird die Angleichung mit einer Verkleinerung kombiniert, um ein ausgewogenes Gesamtbild zu erreichen.

Verkleinerung des Venushügels

Manche Frauen stören sich weniger an den Schamlippen als an einem ausgeprägten Venushügel, der sich in Leggings, enger Hose oder Bademode deutlich abzeichnet. Ursache ist ein vermehrtes Fettpolster in dieser Region, dessen Ausprägung von Veranlagung, Körpergewicht und Hormonen abhängt. Weil es sich um ein hartnäckiges, lokal begrenztes Fettdepot handelt, verändert Sport allein häufig wenig – gezielt abnehmen an einer einzelnen Körperstelle ist physiologisch kaum möglich. Hier kann eine Fettabsaugung das Volumen dauerhaft und schonend reduzieren und die Kontur glätten. Der Eingriff lässt sich auch gut mit einer Schamlippenkorrektur kombinieren.

Aufbau der äußeren Schamlippen

Das Gegenstück zur Verkleinerung: Verlieren die äußeren Schamlippen an Volumen, wirken sie erschlafft oder „leer“, und die inneren Strukturen liegen weniger geschützt. Ursachen sind vor allem Alter, starke Gewichtsabnahme, Schwangerschaften und die Wechseljahre mit ihrem Rückgang des Östrogens.

Für den Aufbau stehen zwei Wege zur Verfügung. Beim Eigenfett-Transfer (Lipofilling) wird körpereigenes Fett – etwa aus Bauch oder Oberschenkel – entnommen, aufbereitet und gezielt eingebracht. Vorteil: Das Material ist körpereigen, das Ergebnis wirkt natürlich und kann dauerhaft sein. Allerdings wird ein Teil des Fettes wieder abgebaut (in der Literatur werden Resorptionsraten von etwa 30 bis 50 Prozent beschrieben), sodass gelegentlich eine Nachbehandlung nötig ist.

Die Alternative ist Hyaluronsäure: schneller und ohne Fettentnahme, aber zeitlich begrenzt – je nach Präparat hält das Ergebnis etwa 6 bis 18 Monate und muss dann aufgefrischt werden. Welches Verfahren angeboten wird und welches im Einzelfall passt, unterscheidet sich von Praxis zu Praxis.

06 | Wie eine Schamlippenverkleinerung durchgeführt wird

Am Anfang steht die genaue Planung, häufig anhand von Skizzen. Entscheidend ist, die Schamlippen als natürliche Struktur zu erhalten und die empfindliche Klitorisregion zu schonen. Für die Verkleinerung der inneren Schamlippen haben sich zwei Grundtechniken etabliert:

Schematische Darstellung einer Verkleinerung der inneren Schamlippe in drei Schritten. Geweitete Ausgangssituation mit Schnittführung, Nahtdarstellung, verkleinertes Resultat

Die Randresektion („Trim“). Der überstehende Rand wird entlang der natürlichen Kante entfernt. Das Verfahren ist bewährt und technisch vergleichsweise unkompliziert; es beseitigt zuverlässig eine dunkler pigmentierte oder unregelmäßige Kante.

Die Keilexzision („Wedge“). Aus der Schamlippe wird ein keilförmiges Stück entnommen und die ursprüngliche, natürliche Kante erhalten. Die Technik ist anspruchsvoller, bewahrt aber den natürlichen Rand.

Welche Technik geeignet ist, hängt vom Befund ab – und beide führen zu guten Ergebnissen. Eine umfassende Literaturübersicht im Aesthetic Surgery Journal (Oranges et al., 2015) wertete 38 Studien mit 1.981 Patientinnen aus und fand über acht verschiedene Techniken hinweg durchweg hohe Zufriedenheit bei geringer Komplikationsrate. Meta-Analysen deuten zudem an, dass die Randresektion eher das ästhetische Empfinden verbessert, während die Keilexzision etwas stärker mit einer verbesserten Sexualfunktion verbunden ist – bei insgesamt niedriger Aussagesicherheit der Studien.

In der Praxis wird der Eingriff heute meist ambulant durchgeführt und dauert – je nach Technik und Umfang – etwa 45 bis 90 Minuten, in der Regel im Dämmerschlaf oder unter örtlicher Betäubung. Verschlossen wird mit selbstauflösendem Nahtmaterial. In spezialisierten Kliniken – wie auch in der Klinik am Rhein in Düsseldorf – wird die Technik individuell nach Befund gewählt.

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07 | Was der Eingriff leisten kann – und was nicht

Realistische Erwartungen sind für die Zufriedenheit entscheidend. Was eine Schamlippenverkleinerung in aller Regel erreichen kann: weniger Reibung und Scheuern, angenehmere Bewegung beim Sport, das Ende wiederkehrender Reizungen und eine als harmonischer empfundene Form. Die dokumentierte Zufriedenheit ist hoch – Meta-Analysen berichten für die Verkleinerung der inneren Schamlippen zusammengelegte Zufriedenheitsraten von bis zu 99 Prozent.

Ebenso wichtig ist, was der Eingriff nicht leisten kann und soll. Eine perfekte Symmetrie ist anatomisch nicht erreichbar – kleine Unterschiede zwischen beiden Seiten bleiben immer erhalten und sind natürlich. Es gibt keine „Standardform“, der man sich angleichen sollte; jede Vulva bleibt individuell. Genau davor warnen auch die Fachgesellschaften: Ziel einer Behandlung ist die Linderung konkreter Beschwerden und ein natürliches Ergebnis, nicht die Anpassung an ein mediales Schönheitsideal. Ein garantiertes Resultat gibt es dabei ebenso wenig wie bei jedem anderen medizinischen Eingriff.

08 | Heilung: Schritt für Schritt

Der Heilungsverlauf interessiert viele Frauen mehr als die Operation selbst – zu Recht, denn er bestimmt den Alltag der nächsten Wochen. Die folgenden Zeiträume sind Orientierungswerte; der individuelle Verlauf kann abweichen.

Frau in sportlicher Unterwäsche, Fokus auf bläulichen Baumwollslip, der zurecht gezogen wird

Die ersten Tage. Direkt nach dem ambulanten Eingriff geht es nach Hause. Schwellung, ein Spannungsgefühl und leichte Schmerzen sind normal und lassen sich gut mit Schmerzmitteln und Kühlung lindern. Lange Gehstrecken und langes Sitzen sollten vermieden werden; lockere Kleidung ist angenehmer.

Die erste Woche. Die meisten Frauen sind nach 3 bis 4 Tagen wieder arbeitsfähig, sofern die Tätigkeit überwiegend leicht ist. Schwellung und Wundgefühl klingen langsam ab; Hygiene und Wundpflege nach ärztlicher Anweisung sind jetzt wichtig.

Schwellung und Wundheilung (2–4 Wochen). Die deutliche Schwellung geht über etwa zwei bis vier Wochen zurück. Das selbstauflösende Nahtmaterial reduziert sich während dieser Zeit und verschwindet im Verlauf von selbst. In dieser Phase entscheidet sich der schnelle und unkomplizierte Verlauf vor allem über Schonung.

Sport, Radfahren, Schwimmen, Sauna und Sex (4–6 Wochen). Für Sport, Schwimmen, Sauna und Geschlechtsverkehr gilt in der Regel eine Pause von etwa 4 bis 6 Wochen, um die Wundheilung nicht zu gefährden. Radfahren und andere Aktivitäten mit direktem Druck auf die Region sollten eher am Ende dieses Zeitfensters wieder aufgenommen werden. Den genauen Zeitpunkt legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach dem Heilungsverlauf fest.

Narbenreifung und Endergebnis (Monate). Die Wunden heilen im gut durchbluteten Intimbereich meist unauffällig, häufig ohne sichtbare Narben. Bis die Schwellung vollständig abgeklungen und das Gewebe damit vollständig ausgereift ist und sich das Endergebnis zeigt, vergehen jedoch mehrere Monate. Ein frühes „Zwischenergebnis“ sollte man daher nicht überbewerten.

Tag 1
Ambulanter Eingriff, danach nach Hause
Tag 3–4
Zurück in Alltag & Büro
Woche 2–4
Schwellung klingt ab, Fäden lösen sich auf
Woche 4–6
Sport, Schwimmen, Sauna & Geschlechtsverkehr wieder
Monate
Narbenreifung, Endergebnis

09 | Risiken – und worauf es fachlich ankommt

Wie jeder operative Eingriff ist auch die Schamlippenverkleinerung mit Risiken verbunden; bei sorgfältiger Technik sind sie selten. Eine gewisse Schwellung, ein Spannungsgefühl und kleinere Blutergüsse – und die damit verbundenen leichten bis moderaten Schmerzen – gehören zum normalen Heilungsverlauf und sind keine Komplikationen.

Nachblutung und Hämatom. Bildet eine nicht vollständig verschlossene Ader eine größere Einblutung, zeigt sich das an einer einseitigen, prall zunehmenden Schwellung mit Schmerzen. Eine kleine Einblutung wird beobachtet; nimmt sie zu, wird sie unter Umständen ärztlich entlastet – dann wird die Naht eröffnet, das geronnene Blut ausgeräumt und die blutende Ader verschlossen. Früh versorgt, heilt alles in der Regel folgenlos aus.

Wundheilungsstörungen, insbesondere ein Aufgehen der Naht (Dehiszenz), zählen zu den häufigeren Komplikationen; in der Literatur werden je nach Technik Raten um etwa 3 Prozent (Keilexzision) beschrieben. Rauchen und Übergewicht erhöhen das Risiko. Nachkorrekturen sind insgesamt selten – Analysen nennen Revisionsraten zwischen etwa 3 und 7 Prozent, teils wegen Wundheilungsproblemen, teils wegen des gewünschten Feinschliffs am Ergebnis.

Sensibilitätsveränderungen sind ein häufig geäußerter Sorgenpunkt. Bei sachgerechter Technik zeigen kontrollierte Untersuchungen jedoch keine Verschlechterung des Empfindens; die dokumentierte Sexualfunktion bleibt erhalten oder verbessert sich. Umso wichtiger sind Erfahrung und anatomisches Wissen: Ein erfahrener plastischer Chirurg achtet besonders auf den Verlauf von Nerven und Gefäßen und schont die Klitorisregion, um Empfindungsstörungen zu vermeiden. Auch eine übermäßige Gewebeentfernung („Über-Resektion“) gilt es zu vermeiden, da sie funktionell und ästhetisch nachteilig ist.

10 | Kosten und Kostenübernahme

Weil es sich meist um einen ästhetischen Eingriff handelt, werden die Kosten in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen; die Behandlung ist dann eine Selbstzahlerleistung. Liegt eine klare medizinische Indikation vor – etwa wiederkehrende Entzündungen, Einrisse oder anhaltende Schmerzen –, kann im Einzelfall eine (anteilige) Kostenübernahme geprüft werden. Die konkrete Höhe hängt von Technik, Aufwand und Narkoseform ab und wird individuell festgelegt.

Termin bei erfahrener Fachärztin anfragen

11 | Häufige Fragen (FAQ)

Sind große Schamlippen normal?
Ja. Große oder lange innere Schamlippen sind eine häufige, völlig normale anatomische Variante ohne Krankheitswert. In einer Studie lagen die Schamlippen aller untersuchten Frauen, die eine Verkleinerung wünschten, im Normbereich (Veale et al., 2014). Erst wenn im Alltag etwas stört, ist eine Behandlung überhaupt ein Thema.

Zu große Schamlippen – was kann ich tun?
Wenn die inneren Schamlippen reiben, scheuern oder beim Sport Schmerzen verursachen, helfen zunächst einfache Maßnahmen wie passende Kleidung oder gepolsterte Radhosen. Bleiben die Beschwerden, kann eine Schamlippenverkleinerung sie dauerhaft beseitigen. Der erste Schritt ist eine ärztliche Einschätzung – auch, um auszuschließen, dass gar keine Behandlung nötig ist.

Ab welchem Alter ist eine Schamlippenverkleinerung sinnvoll?
In der Regel erst im Erwachsenenalter, wenn die körperliche Entwicklung abgeschlossen ist. Bei Jugendlichen raten Fachgesellschaften (ACOG, Committee Opinion Nr. 686) ausdrücklich zu Zurückhaltung: zuerst Aufklärung über die normale Vielfalt, Prüfung der körperlichen und emotionalen Reife und gegebenenfalls Abklärung einer Körperbildstörung.

Verändert der Eingriff die Empfindsamkeit?
Bei sachgerechter Technik zeigen Untersuchungen keine Verschlechterung des Empfindens; die Sexualfunktion bleibt erhalten oder verbessert sich. Voraussetzung ist eine schonende, nervenerhaltende Operation.

Kann ich später problemlos ein Kind bekommen?
Ja. Eine Schamlippenverkleinerung betrifft die äußeren Strukturen und steht einer späteren Schwangerschaft oder vaginalen Geburt grundsätzlich nicht im Weg.

Kann das Ergebnis nach einer Schwangerschaft anders aussehen?
Hormonelle Veränderungen, Schwangerschaft und Geburt können das Gewebe erneut verändern. Vielen Frauen wird daher empfohlen, mit einem ästhetischen Eingriff bis nach der abgeschlossenen Familienplanung zu warten.

Lässt sich der Eingriff mit anderen Operationen kombinieren?
Ja. Häufig werden Verkleinerung, Angleichung einer Asymmetrie und – bei ausgeprägtem Venushügel – eine Fettabsaugung in einer Sitzung kombiniert.

Wie lange falle ich aus, und wann darf ich wieder Fahrrad fahren?
Für Alltag und Büro meist 3–4 Tage. Sport, Schwimmen und Geschlechtsverkehr sollten rund 4–6 Wochen pausieren; Radfahren ist wegen des direkten Drucks eher erst nach 6 Wochen wieder empfehlenswert.

Wie lange hält das Ergebnis?
Eine Verkleinerung der inneren Schamlippen ist dauerhaft. Beim Volumenaufbau der äußeren Schamlippen hängt die Haltbarkeit vom Verfahren ab: Eigenfett kann dauerhaft sein (mit teilweiser Resorption), Hyaluronsäure hält nur befristet.

Bleiben Narben zurück?
Es wird selbstauflösendes Nahtmaterial verwendet; im gut durchbluteten Intimbereich heilen die Wunden meist ohne sichtbare Narben.

Quellen

  • Oranges CM, Sisti A, Sisti G. Labia Minora Reduction Techniques: A Comprehensive Literature Review. Aesthetic Surgery Journal. 2015;35(4):419–431.
  • Sorice SC, Li AY, Canales FL, Furnas HJ. Why Women Request Labiaplasty. Plastic Reconstr Surgery 2017;139(4):856–863.
  • Veale D, Eshkevari E, Ellison N, et al. Psychological characteristics and motivation of women seeking labiaplasty. Psychological Medicine. 2014;44(3):555–566.
  • Sharp G, Tiggemann M, Mattiske J. Factors That Influence the Decision to Undergo Labiaplasty: Media, Relationships, and Psychological Well-Being. Aesthetic Surgery Journal. 2016;36(4):469–478.
  • Escandon JM, Duarte-Bateman D, Bustos VP et al. Maximizing Safety and Optimizing Outcomes of Labiaplasty: A Systematic Review and Meta-Analysis. Plast Reconstr Surg 2022;150(4):776e–788e.
  • American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Elective Female Genital Cosmetic Surgery. Committee Opinion No. 795. Obstetrics & Gynecology. 2020;135(1):e36–e42.
  • American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Breast and Labial Surgery in Adolescents. Committee Opinion No. 686. 2017 (interim update 2020).
  • Fasola E, Gazzola R. Labia Majora Augmentation with Hyaluronic Acid Filler: Technique and Results. Aesthetic Surgery Journal. 2016;36(10):1155–1163.
  • International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS). ISAPS International Survey on Aesthetic/Cosmetic Procedures. Global Survey 2024.
  • Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC): DGÄPC-Statistik; Intimchirurgie bei Frauen. dgaepc.de
  • Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC): dgpraec.de

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ergebnisse sind individuell und nicht garantiert. Aus rechtlichen Gründen werden keine Vorher-Nachher-Bilder operativer Eingriffe gezeigt (§ 11 HWG).

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PD Dr. med. Helga Henseler, Ph.D. Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Geprüft durch:
Die Informationen auf dieser Seite beruhen auf aktuellen medizinischen Standards und wurde durch Prof. Dr. med. Helga Henseler, Ph.D. vor der Veröffentlichung geprüft.
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